Archive for Juni, 2009
Vorschau
So will mal versuchen vor dem Wochenende zu texten, was ich vorhab. Anstatt es Tage später mit Reue nachzutragen.
Freitag abend gehts ins Fitnessstudio vorbereiten auf das Wochenende darauf. Da haben sich ein paar Kollegen und ich zum 6km Lauf angemeldet. Klingt nicht viel, aber bei dem Wetter hier und der Uhrzeit: 06:45 gehts los! Ansonsten würden die Teilnehmer auch umfallen wie die Fliegen. Und um nicht wie der typische weisse, dicke, schwitzende Ausländer da aufzutreten muss ich am Freitag wieder aufs Laufband.
Am Samstag morgen gibts - um das verlorene Hüftgold wieder reinzuholen - morgens vor dem Language Training Frühstück in Martins Compound - Speck inklusive!
Nach besagtem Chinesischkurs nutz ich die Gelegenheit und schau nochmal beim Tailor vorbei - ich brauch dringendst kurzärmelige Hemden bei dem Wetter sonst geht man ein.
Was ich dann mit dem restlichen Tag anstell weiss ich noch nicht genau, wenn das Wetter mitspielt fahr ich raus nach Pudong und schau mir die Retortenstadt an, wenn nicht versuch ich mal ein Englsch-sprachiges Kino für den neuen Terminator aufzutreiben (bin ja mal auf den Eintrittspreis gespannt).
Sonntag ist dann grosses Heimweh-heilen angesagt, denn es geht Auto fahren! Naja nicht wirklich Auto, aber immerhin Cart, das ist so gut wie und schliesslich habe ich ja mittlerweile 6 Monate nicht mehr hinterm Steuer gesessen. Ein paar Kolleginnen begleiten mich, aber wenn die so fahren wie im Strassenverkehr dann werd ich der grosse Verlierer sein. Irgendwie mach ich mir grad en bissl Sorgen… haben Carts auch Hupen? Anschliessend muss ich meine Wettschulden bei den Kolleginnen einlösen - ihr kennt mich ja, glaubt ihr ernsthaft das würde sich ändern? Ich hatte behauptet Richard Gere wäre schwul - kommt schon! Sooo abwägig is des nicht! Hatte aber vergessen, dass die Schmalzlocke was mit dieser Cindy hatte (die kommt doch ausm Osten!). Also gehts nachm Kading che (Cart fahrn) zum Pizza essen =o) Westessen!
Und dann wars das mit dem Wochenende auch schon wieder, naja wenn was Zeit bleibt leg ich mich nochn bissl vor die Klimaanlage und kühl mich runter.
Namensgebung
Der Chinese an sich sagt immer zuerst den Familiennamen und dann den Vornamen, in meinem Fall Ge Qiang, Ge abgeleitet von meinem Familiennamen und ebenfalls ein bekannter chinesischer Nachname und Qiang mein “Given Name”. Interessant ist dabei, dass Chinesen sich nur einen westlichen Vornamen (oder das was sie dafür halten) geben, Expats aber komplett neu bestückt werden. Wie dem auch sei, dieses Nachname-Vorname erinnert mich an was, wenn ich nur wüsste was …..
…. mal den Becker-Heinz fragen ;o)
Tonglu II
So jetzt ist auch der 2. Packen Bilder online. Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen eine Serie der Fotos ganz bestimmt zu betonen. Hintergrund davon ist der Folgende:
Auf dem Weg zum Berg (in Deutschland wär das nicht mal ein Hügel) gabs ab ner gewissen Strecke nichts mehr am Wegesrand zu essen, bis eine Hütte auftauchte, die Wassermelonen anbot - zu einem in China völlig absurden Preis von 6,50Euro das Kilo. Aber als Langnase hat man da schlechte Karten zu handeln, erst recht wenn man sabbernd vor den Dingern steht und einem die Gier in den Augen abgelesen werden kann, daher hab ich die Melone richtig genossen, was dankenswerter Weise in dieser Fotoserie festgehalten wurde:
Das ist mein Stück, meins ganz allein!
Mein Schatz! Keiner darf Dich haben:
Aber wir sind ja nicht zum Spass hier:
Ho welche Köstlichkeit! Da muss man jeden Bissen geniessen:
Gefangene werden heute keine gemacht:
P.S. Ich möchte natürlich klarstellen, dass ich lieber meine Hauer in etwas geschlagen hätte was einen Vornamen hatte, aber aus Ermangelung an Fleisch muss manchmal eben auch Gemüse herhalten (ist vielleicht auch nicht immer ganz so schlecht)
Tonglu
Der ein oder andere hat vielleicht schon die Neuen Bilder in der Galerie gesehen, aber bis jetzt war ich noch nicht dazu gekommen was dazu zu schreiben. Am Wochenende waren wir in Tonglu (nicht wie die Galerie behauptet Tongli - da gehts nächstes Mal hin). Ehrlich gesagt war Tonglu nicht sonderlich aufregend. Wir sind mit dem Bus hingefahren - ätzender als Touristenklasse - und haben da 2 nette Tage verlebt. Am Samstag haben wir ne kleine Bootstour auf Bambuskanus gemacht, Sonntags haben wir ne Wandertour in die lokalen Berge unternommen, wobei Berg etwas zu hochgegriffen ist. Der Chinese macht dabei aus jedem Stück sehenswerter Natur direkt nen Park draus, verlangt Eintritt und vertickt Eis und Wassermelonen. Wobei ich gegen eher zweifelhafte Abkühlstände nix hab - ich bin ja jeman der auch ganz gern mal schwitzt, aber das hab ich noch nicht erlebt. Wobei ich gar nicht mal glaube, dass man hier soooviel mehr schwitzt sondern, dass die Klamotten einfach nicht trocknen, mein Shirt war in jedem Fall klatschnass. Dabei war es nicht mal heiss.
Tonglu an sich scheint irgendwie ein verlassenes Nest in der Provinz zu sein, ne Taxifahrt fängt mit 50 Cent an (in Shangai sinds 1,10€), abends werden die Bordsteine hochgeklappt und menschenmässig wars - zur Abwechslung - auch recht spärlich, also perfekt für ein Wochenende zum Relaxen (ich frag mich übrigens gerade warum ich solche Wochenenden nicht auch in Deutschland gemacht habe). Zur Verteidigung des chinesischen Images muss man aber auch sagen, dass es das Wochenende vor den Schul- und Studiumsabschlusstests war und daher eigentlich keine jungen Leute weit undbreit waren.
Mehr sagen glaub ich dieBilder, ich hab noch einige, aber die Internetverbindung zu meinem Webspaceprovider ist wieder so schlecht, mal sehen ob ich das die Woche noch hinkrieg.
Pollenflug
Jetzt haben wir schon Mitte Juni und bis dato hatte ich noch keine echte Allergie - betonierte Flächen sind einfach was herrliches!
Staatsgewalt
Wir hatten am Wochenende eine interessante Erfahrung auf einer Fähre:
In der ganzen Stadt gibts Fahrradbräter. Das sind Fahrräder mit Metallblumenkästen hintendrauf und einer Plastiktüte voll Schaschlickspiesschen am Lenker. Werden gerne auch mal nach dem Club im vollen Kopp besucht - dann kann man auch leichter über die mangelnde Hygiene hinwegsehen.
Ich war mit Martin von einer Seite des Flusses zur andern unterwegs und haben gedacht wir nutzen die Fähre. Vor der Fähre standen mehrere von diesen Fahradbrätern. Wir warteten auf der Fähre, dass selbige ablegt und plötzlich kam diese Meute auch aufs Schiff und haben sich hinter einer Trennwand versteckt. Natürlich ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass sie hinten glühende Kohlen geladen haben und so die halbe Mannschaft versengt haben.
Als die Gatter der Fähre endlich zu waren haben wir auch den Grund gesehen - ein Polizist kam langsam zur Fähre geschlendert. Die Fahrradbräter waren sich ihre Sache so sicher, dass sie nach vorne kamen, um dem Polizist zuzuwinken und sich zu amüsieren.
In manchen Fällen scheinen die Polizisten hier machtlos - auf der anderen Seite scheinen sie auch nicht wirklich Interesse daran zu haben dem ein Ende zu bereiten. Ich könnte mir sogar vorstellen dieselben Polizisten in der mittagspause genau bei den Brätern zu finden
Fleischliches
Gestern waren wir zu Dritt beim Japaner Teppanyaki essen. Eindeutig eines meiner Lieblingsrestaurants. Da wir nur zu Dritt waren wurden an einen Tisch mit Singapurianesen gesetzt, war sehr nett und Singapurener sprechen - im Gegensatz zu Chinesen - viel und gerne Englisch.
Und dort hatte ich gestern mein erstes Mal - die Singapuretten haben Kobe-Beef bestellt.
Sanft von der Rinderhüfte geschreddertes, herrlich mamoriertes, stundenlang massiertes, mit klassischer Musik beschalltes, mit Reiswein eingeriebenes, von jedem Stress ferngehaltenes Kobe-Fleisch.
Ein 200gr-Schnitzelchen kostet 78Euro, Zwiebeln dazu kosten extra. Herrlich! Gestern haben wirs noch nicht bestellt, weil die Kollegen vor dem Preis zurückgeschreckt sind, aber ich mach schonmal Platz auf meiner Hüfte, damit mir ein, zwei Pfund direkt darauf schmelzen können.
Orthogonalität
Ich lese gerade in “The Pragmatic Programmer” (nicht zu verwechseln mit “Pragmatic Thinking & Learning”) über Orthogonalität in Softwaresystemen. Damit bezeichnet man die Unabhängigkeit von Teilsystemen voneinander. Laut Author - und nach meinem Kenntnisstand - gilt das allgemein für die IT und vielleicht für alle naturwissenschaftlichen Bereiche. Überall versucht man Systeme zu entkoppeln und möglichst unabhängig voneinander zu betreiben, um die Komplexität zu reduzieren und damit Qualität, Effektivität, Effizienz, Wartbarkeit, Verfügbarkeit etc. zu verbessern.
Im Business Mgt. trifft das nicht zu. Je höher man den Komplexitätsgrad dreht, desto mehr Abhängigkeiten man schafft und desto unübersichtlich wird es für den Kunden welches Subsystem wieviel kostet. Viele Hersteller gehen immer mehr und mehr dazu über Komplettsysteme anzubieten, die dem Kunden zwar viel Komplexität abnehmen, aber gleichzeitig die Abhängigkeit erhöhen und dem Hersteller grössere Lücken für Gewinne lassen (sonst würd er es ja auch nicht tun).
Soweit so gut, solange die Qualität stimmt, aber interessant ist es schon wie Technik immer mehr standardisiert und unterteilt wird und gleichzeitig die Businessmodelle, die ja im Endeffekt darauf fussen immer komplexer werden.
Bereitschaft zur Veränderung
Wenn man will, dass sich der Frosch verändert, dann muss man ihn auch gegen die Wand werfen!
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